USE CASE

Steu­er­li­che Erfas­sung und Abrech­nung

Alles wird ein­fa­cher dank KI. Der Mensch wird trotz­dem gebraucht.

Im deutschen Backoffice hat sich bei Reisekosten und Spesen ein klarer Standard etabliert: Moderne OCR- und KI-Software übernimmt die zeitraubende Vorarbeit – doch eine vollautomatische „Dunkelverarbeitung“ scheitert in der Praxis an den komplexen deutschen Steuer- und GoBD-Vorgaben.

Genau hier wird der Human in the Loop (qualifizierte Assistenz / vorbereitende Buchhaltung) zum unverzichtbaren Sicherheits- und Qualitätsfilter.

Auf den Punkt gebracht (Quick Summary)

Das Problem: Die vollautomatisierte Reisekostenabrechnung per reiner Software scheitert in der deutschen Praxis an formalen GoBD-Vorschriften sowie steuerlichen Pflichtabzügen – insbesondere der gesetzlichen 20-%-Frühstückskürzung nach § 9 Abs. 4a EStG, unvollständigen Bewirtungsbelegen und gemischten Vorsteuersätzen.

Die Lösung: Im Human-in-the-Loop-Workflow übernimmt Expense-Software (wie Circula oder Moss) die automatisierte Beleg-Erfassung und Pauschalenberechnung zu rund 70 %, während eine qualifizierte Assistenz steuerliche Sonderfälle prüft, Belege nachfordert und die Daten GoBD-konform an DATEV übergibt.


1. Welche Software & Tools dominieren den deutschen Markt?

Im Mittelstand und bei wachsenden Unternehmen kommen primär spezialisierte Expense-Management-Plattformen mit nativer DATEV-Schnittstelle zum Einsatz:

  • Circula: Der De-facto-Standard im deutschen Mittelstand und offizielle DATEV-Softwareempfehlung. Bildet deutsche Reisekostenregeln (Bundesreisekostengesetz, Dreimonatsfrist, BMF-Auslandspauschalen) nativ ab.
  • Moss & Pleo: Beliebt bei Start-ups und digitalisierten KMUs, die Firmenkreditkarten direkt mit Beleg-Upload und Spesenabrechnung koppeln.
  • SAP Concur: Der etablierte Standard in Konzernen und Großunternehmen mit komplexen weltweiten Richtlinien.
  • DATEV Unternehmen online / Belegtransfer: Das zentrale Zielsystem in Kanzleien für vorkontierte Daten und Belege.

2. Der 4-Stufen-Workflow: Wer macht was?

  1. Der/die Reisende (Mobile Erfassung unterwegs):
    Fotografiert Quittungen (Hotel, Taxi, Restaurant, Tanken) direkt per Smartphone-App und erfasst Reisedaten (Abfahrt, Rückkehr, Zielort).
  2. Die KI / OCR-Engine (Automatisierte Vorarbeit):
    Liest Betrag, Datum, Währung, Händler und Mehrwertsteuer (7 % vs. 19 %) aus. Gleicht Kreditkartentransaktionen ab und berechnet die gesetzlichen Verpflegungsmehraufwendungen (VMA nach BMF-Pauschalen) vor.
  3. Die Assistenz als „Human in the Loop“ (Die Kontrollschleife):
    Prüft formale Ausnahmen, korrigiert steuerliche Abzüge, hakt bei fehlenden Belegen nach und kontiert die Buchungszeilen vor.
  4. Freigabe & DATEV-Export (Steuerberater / Lohnbüro):
    Rechtssicherer Export nach DATEV (SKR03 / SKR04) zur Erstattung über die Gehaltsabrechnung oder Banküberweisung.

3. Warum reine KI scheitert: Die 4 typischen Steuer-Stolpersteine

Dass der Mensch unverzichtbar bleibt, liegt an den formalen Vorgaben des deutschen Einkommensteuergesetzes (§ 9 Abs. 4a EStG) und der GoBD:

1. Die Frühstückskürzung bei Hotelrechnungen:
Auf der Hotelrechnung steht oft ein Gesamtpreis („Business Package“). Wurde das Frühstück gestellt, muss die Verpflegungspauschale um 20 % der vollen Tagespauschale gekürzt werden (Inland: 5,60 € Abzug von 28 €). Die Assistenz prüft, ob das Frühstück inkludiert war, und setzt den Abzug, den die OCR oft übersieht.
2. Bewirtungsbelege (§ 4 Abs. 5 EStG):
Ein Restaurantbeleg reicht dem Finanzamt nicht aus: Es müssen zwingend geschäftlicher Anlass, alle Teilnehmer und eine Unterschrift vorliegen (70 % Betriebsausgabe, 30 % nicht abzugsfähig). Die Assistenz prüft die Vollständigkeit des Eigenbelegs vor der Buchung.
3. Vorsteuerabzug & gemischte Steuersätze:
Hotelübernachtung (7 % MwSt.), Parkgebühr (19 % MwSt.) und Kurtaxe (0 % MwSt.) auf einer einzigen Rechnung erfordern eine exakte Splittung der Buchungszeilen auf Sachkonten, damit kein Vorsteuerabzug verloren geht.
4. Handschriftliche Trinkgelder & Wechselkurse:
Taxiquittungen oder Auslandsrechnungen enthalten oft handschriftlich notierte Trinkgelder. Die Kreditkartenabbuchung weicht dann vom Kassenbon ab – hier gleicht die Assistenz die Differenz kaufmännisch ab.

Fazit für Unternehmen

Die Software (z. B. Circula oder Moss) spart 70 % der Zeit für das manuelle Abtippen von Belegdaten.
Die Assistenz (Human in the Loop) sichert die entscheidenden 30 % ab, bei denen steuerliche Haftung, formale Richtigkeit und proaktives Nachhaken gefordert sind.

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